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Prozesse analysieren, bevor Sie automatisieren: Aufnahme, Bewertung, Auswahl

Bevor ein Ablauf automatisiert wird, muss er verstanden sein: Eine strukturierte Prozessaufnahme zeigt, was sich lohnt, was sich ändern muss und was bewusst manuell bleibt.

Dies ist eine Konzeptstudie, kein Bericht über ein Kundenprojekt. Beschriebene Abläufe und Beispielwerte sind gedanklich durchgespielte Annahmen, keine nachgewiesenen Ergebnisse.

Redaktion PageLeo · · 12 Min. Lesezeit

Ausgangslage
Ein kleines Unternehmen möchte wiederkehrende Büroarbeit automatisieren. Die Abläufe existieren aber vor allem in den Köpfen einzelner Mitarbeitender, und jeder beschreibt sie ein wenig anders.
Herausforderung
Wer direkt ein Werkzeug einrichtet, überträgt Umwege, Ausnahmen und Zuständigkeitslücken in die Automatisierung. Sie läuft dann zuverlässig, aber an der falschen Stelle.
Ansatz
Wir nehmen den Ist-Ablauf per Interview und Beobachtung auf, entwerfen einen Soll-Ablauf und bewerten Kandidaten nach Häufigkeit, Dauer und Fehleranfälligkeit.
Nutzen
Sie erhalten eine begründete Auswahl, was automatisiert wird, was zuerst vereinfacht werden muss und was manuell bleibt. Der Nutzen lässt sich an Durchlaufzeit und Nacharbeit messen, ein bestimmter Zeitgewinn lässt sich vorab nicht zusagen.

Der Satz „Das kann doch die KI machen“

Er fällt in fast jedem Erstgespräch, meist beiläufig und mit Blick auf eine Aufgabe, die jemanden jede Woche Stunden kostet: Angebote abtippen, Anfragen weiterleiten, Daten aus E-Mails in eine Tabelle übertragen. Der Wunsch ist verständlich, und oft ist er berechtigt. Die Schwierigkeit liegt woanders, nämlich in der Frage, was genau „das“ eigentlich ist.

Nehmen wir an, ein Betrieb mit etwa fünfzehn Beschäftigten möchte die Bearbeitung eingehender Kundenanfragen automatisieren. Fragt man die Inhaberin, läuft das so: Anfrage kommt, wird erfasst, Angebot geht raus. Fragt man die Sachbearbeiterin, kommen drei weitere Schritte hinzu, eine Rückfrage beim Lager, ein Blick in die Preisliste von vor zwei Jahren und eine handschriftliche Notiz für den Chef. Beide beschreiben denselben Ablauf und meinen verschiedene Dinge.

Bemerkenswert ist, dass keine der beiden Darstellungen falsch ist. Die Inhaberin kennt den Ablauf aus Sicht des Ergebnisses, die Sachbearbeiterin aus Sicht der täglichen Arbeit. Erst beide zusammen ergeben ein Bild, und selbst dann fehlt oft die Perspektive des Lagers oder der Buchhaltung, die am Rand beteiligt sind, ohne dass jemand an sie denkt.

Dieses Szenario ist ein Muster, kein berichteter Einzelfall. Es zeigt, warum die Arbeit vor der Automatisierung beginnt. Ein Ablauf, den niemand vollständig überblickt, lässt sich nicht zuverlässig in Regeln fassen. Eine Prozessaufnahme macht ihn sichtbar, bevor Zeit und Geld in ein Werkzeug fließen, das auf einer unvollständigen Annahme beruht.

Eine Automatisierung ist eine sehr genaue Abschrift des Ablaufs, den man ihr vorlegt, einschließlich seiner Fehler.

Was schiefgeht, wenn das Werkzeug zuerst kommt

Das häufigste Fehlerbild ist die Automatisierung des Umwegs. Wenn eine Rechnung heute ausgedruckt, abgezeichnet und wieder eingescannt wird, weil früher einmal ein Vier-Augen-Prinzip verlangt war, dann kann man diesen Weg mit einem Skript nachbauen. Es wäre schneller, aber nicht klüger. Die eigentliche Frage, ob die Freigabe so noch gebraucht wird, bleibt unbeantwortet.

Das zweite Fehlerbild sind die Ausnahmen. Ein Ablauf funktioniert im Normalfall und scheitert an den fünf Sonderfällen, die im Alltag ständig auftreten: Kunde ohne Kundennummer, Bestellung mit Teillieferung, Dokument im falschen Format. Menschen lösen so etwas nebenbei, weil sie Kontext haben. Eine Automatisierung ohne dokumentierte Ausnahmen bricht entweder ab oder produziert still falsche Ergebnisse, was schlimmer ist.

Drittens fehlt oft jemand, der verantwortlich ist. In der Praxis hat ein Prozess selten einen Besitzer, er verteilt sich auf Rollen, die einander zuarbeiten. Fällt dann ein automatisierter Schritt aus, weiß niemand, wer ihn bemerken, beheben oder entscheiden soll, ob er überhaupt weiterlaufen darf. Aus diesen drei Mustern leitet sich ab, was eine Prozessaufnahme erfassen muss.

  • Den tatsächlichen Ablauf, nicht den beschriebenen: Die Differenz zwischen beiden ist der wertvollste Befund.
  • Alle Ausnahmen mit ihrer Häufigkeit, damit klar wird, welche zum Normalfall gehören.
  • Jede Stelle, an der Informationen das Medium wechseln, etwa von E-Mail in Papier oder von Papier in Tabelle.
  • Wer entscheidet, wer prüft und wer bei einem Fehler informiert wird.

Kandidaten sortieren, bevor man sich in einen verliebt

Wer einmal gesehen hat, was möglich ist, will meist sofort loslegen, und zwar mit dem Prozess, der am meisten nervt. Das ist menschlich und selten die beste Wahl. Was am meisten stört, ist nicht automatisch das, was sich am besten automatisieren lässt, und lästige Aufgaben sind oft gerade deshalb lästig, weil sie viele Ausnahmen enthalten.

Wir bewerten Kandidaten deshalb nach wenigen nüchternen Kriterien. Die Häufigkeit sagt, wie oft ein Ablauf pro Woche oder Monat vorkommt. Die Dauer sagt, wie viel Arbeitszeit er je Durchlauf bindet. Die Fehleranfälligkeit beschreibt, wie oft Nacharbeit, Rückfragen oder Korrekturen entstehen. Hinzu kommt als Gegengewicht die Regelhaftigkeit: Je mehr Urteilsvermögen ein Schritt braucht, desto weniger eignet er sich für eine feste Abfolge.

Praktisch heißt das: Jeder Kandidat bekommt auf einer Karte kurze Angaben zu diesen Kriterien, ausdrücklich als grobe Einschätzung und mit der Quelle dahinter, etwa „Zählung im Postfach, vier Wochen“ oder „Schätzung der Sachbearbeiterin“. So bleibt sichtbar, welche Zahl belegt und welche vermutet ist. Karten ohne belastbare Angaben wandern nicht in die Auswahl, sondern zuerst in eine kurze Messphase.

Interessant wird es, wenn man die Kriterien nebeneinanderlegt. Ein Vorgang, der selten vorkommt, aber bei jedem Mal einen halben Tag kostet, kann lohnender sein als einer, der täglich auftritt und zwei Minuten dauert. Umgekehrt ist ein häufiger, kurzer, fehleranfälliger Schritt oft der beste Einstieg, weil schon kleine Verbesserungen viele Fehler verhindern. Die Gewichtung hängt vom Betrieb ab, und genau deshalb lohnt das Gespräch darüber.

Abbildung · Wie ein Kandidat gewichtet werden könnte

  • Regelhaftigkeit der Schritterelative Priorität
  • Fehleranfälligkeitrelative Priorität
  • Häufigkeit pro Monatrelative Priorität
  • Dauer je Durchlaufrelative Priorität
  • Datenqualität der Eingängerelative Priorität
Illustrative Darstellung, keine Messwerte. Sie zeigt eine mögliche Gewichtung der Bewertungskriterien, die je Betrieb angepasst wird.

Verstehen, vereinfachen, erst dann automatisieren

Die naheliegende Alternative zur Prozessaufnahme ist das Ausprobieren: ein Werkzeug anschließen, einen ersten Lauf starten, nachbessern. Für sehr kleine, in sich geschlossene Aufgaben ist das vertretbar, etwa wenn eine einzelne Person einen einzigen Schritt allein erledigt. Sobald mehrere Rollen, Systeme oder Kunden beteiligt sind, wird das Nachbessern teuer, weil jede Korrektur andere Beteiligte betrifft und Fehler spät sichtbar werden.

Die zweite Alternative ist ein umfassendes Prozessmodell, wie es in großen Organisationen üblich ist, mit Notation, Werkzeug und Workshop-Reihe. Für ein Unternehmen mit zehn bis fünfzig Beschäftigten steht der Aufwand selten im Verhältnis zum Ertrag. Wir halten die Aufnahme bewusst leichtgewichtig: ein Interview je Rolle, eine halbe Stunde Beobachtung am Arbeitsplatz, eine einseitige Skizze des Ablaufs. Das reicht, um Entscheidungen zu treffen.

Unsere Reihenfolge lautet: verstehen, vereinfachen, entscheiden, dann automatisieren. Vereinfachen ist dabei der oft übersprungene Schritt. Manchmal verschwindet der Bedarf, sobald eine doppelte Erfassung entfällt oder eine Freigabe gestrichen wird. Das ist kein Misserfolg des Projekts, sondern sein günstigstes Ergebnis, denn ein Schritt, den es nicht mehr gibt, braucht weder Wartung noch Überwachung.

Eine dritte Alternative ist der Einkauf einer Branchenlösung, die den Ablauf „von Haus aus“ mitbringt. Das kann funktionieren, wenn Ihr Betrieb dem Standard der Branche entspricht. Weicht er ab, passen Sie entweder die Software an Ihren Ablauf an oder Ihren Ablauf an die Software. Beides ist legitim, sollte aber eine bewusste Entscheidung sein, und für sie braucht es das Bild des eigenen Ablaufs.

Der Preis dieses Vorgehens ist Zeit am Anfang. Die Aufnahme verzögert den sichtbaren Fortschritt um einige Tage bis wenige Wochen, je nach Zahl der Abläufe. Dem steht gegenüber, dass spätere Umbauten unterbleiben. Wer es eilig hat, kann mit einem einzelnen, gut abgegrenzten Ablauf beginnen und die Aufnahme darauf beschränken.

Abbildung · Vom Ist-Ablauf zur Entscheidung

  1. Aufnehmen

    Interview je Rolle, Beobachtung am Arbeitsplatz

  2. Abbilden

    Ist-Ablauf mit Ausnahmen und Medienbrüchen

  3. Vereinfachen

    Doppelarbeit und überholte Freigaben streichen

  4. Bewerten

    Häufigkeit, Dauer, Fehler, Regelhaftigkeit

  5. Entscheiden

    Automatisieren, ändern oder manuell lassen

Jede Stufe liefert das, was die nächste braucht. Die Automatisierung steht am Ende, nicht am Anfang.

Wie ein Gespräch über Arbeit zum Ablaufbild wird

Das Interview beginnt nicht mit der Frage nach dem Prozess, sondern mit einem konkreten Vorgang. „Erzählen Sie mir von der letzten Anfrage, die Sie bearbeitet haben“ liefert mehr als „Wie läuft das normalerweise?“. Erstere Frage holt die Erinnerung an echte Details ab, die zweite die idealisierte Fassung. Wir lassen uns Dateien, Postfächer und Notizzettel zeigen, soweit das möglich ist, und fragen nach jedem Schritt: Was passiert davor, was danach, und wer wartet darauf?

Die Beobachtung ergänzt das Gespräch dort, wo Menschen ihre eigene Arbeit nicht mehr bewusst wahrnehmen. Wer seit Jahren dieselbe Tabelle pflegt, nennt den Griff zur Zweitliste nicht mehr. Zuschauen zeigt auch die Wartezeiten: Ein Ablauf, der auf dem Papier eine Stunde dauert, liegt in Wirklichkeit zwei Tage, weil eine Mappe auf einem Schreibtisch auf Rückkehr wartet. Dieser Unterschied zwischen Bearbeitungszeit und Durchlaufzeit ist für die Bewertung zentral.

Aus den Gesprächen entsteht das Ablaufbild, zunächst als einfache Abfolge: Auslöser, Schritte, Ergebnis. Jeder Schritt bekommt vier Angaben, nämlich wer ihn ausführt, in welchem Medium, wie oft er vorkommt und welche Ausnahmen es gibt. Medienbrüche markieren wir farbig, weil sie fast immer Fehlerquellen und gute Ansatzpunkte zugleich sind. Dort wird abgetippt, kopiert oder abgelegt, und dort entsteht der Großteil der Rückfragen.

Wichtig ist der Abgleich. Wir zeigen das Bild den Beteiligten und fragen: Stimmt das? Die Korrekturen sind der eigentliche Erkenntnisgewinn, denn sie legen offen, wo Wahrnehmungen auseinanderlaufen. Erst wenn alle Beteiligten sagen, so läuft es bei uns, gilt der Ist-Ablauf als aufgenommen.

Abbildung · Was ein aufgenommener Schritt enthält

  • Auslöser und Ergebnis

    Was setzt den Schritt in Gang, was liegt danach vor?

  • Verantwortung

    Wer führt aus, wer prüft, wer entscheidet im Zweifel?

  • Medium und System

    E-Mail, Papier, Tabelle, Fachsoftware: wo steht die Information?

  • Häufigkeit und Dauer

    Wie oft pro Woche, wie lange Bearbeitung, wie lange Wartezeit?

  • Ausnahmen

    Welche Abweichungen treten auf und wie werden sie heute gelöst?

Jeder Schritt im Ablaufbild wird mit denselben Ebenen beschrieben, damit Schritte vergleichbar werden.

Vom Soll-Ablauf zur konkreten Umsetzung

Aus dem Ist-Ablauf entwerfen wir den Soll-Ablauf in zwei Schritten. Zuerst wird gestrichen und zusammengelegt: Welche Schritte erzeugen keinen Nutzen für den Kunden oder für eine nachweislich nötige Kontrolle? Welche Information wird zweimal erfasst? Danach wird entschieden, welche der verbleibenden Schritte eine Maschine übernehmen kann und welche beim Menschen bleiben. Diese Zweiteilung verhindert, dass Automatisierung als Ersatz für eine Entscheidung dient, die eigentlich im Betrieb zu treffen wäre.

Für die technische Umsetzung gilt, dass Aufnahme und Werkzeugwahl getrennte Fragen sind. Regelbasierte Abläufe mit klaren Auslösern lassen sich meist mit Verbindungswerkzeugen zwischen bestehenden Systemen lösen, ohne eigene Software. Wo Texte, E-Mails oder Dokumente gedeutet werden müssen, kann ein Sprachmodell einzelne Schritte übernehmen, etwa Anliegen einordnen oder Felder extrahieren. Dann gehört eine Plausibilitätsprüfung davor oder danach, weil solche Modelle gelegentlich falsch liegen und das nicht anzeigen.

Jeder automatisierte Schritt erhält aus der Aufnahme heraus drei Festlegungen. Erstens eine Eingangsprüfung: Welche Daten müssen vorliegen, damit der Schritt starten darf? Zweitens einen Ausgang für Ausnahmen, der den Fall an eine benannte Person übergibt, statt ihn zu erraten. Drittens eine Spur, also ein Protokoll, das nachvollziehbar macht, was wann mit welchem Ergebnis geschah. Ohne diese drei Dinge lässt sich im Betrieb kaum entscheiden, ob die Automatisierung etwas verbessert.

Ein Beispiel für die Praxis: Eine Anfrage trifft per Formular ein. Der Soll-Ablauf prüft Pflichtangaben, legt den Kontakt an, weist die Anfrage einer Person zu und erinnert nach vereinbarter Frist. Das Angebot selbst schreibt weiterhin ein Mensch, weil Preis und Umfang individuell verhandelt werden. Eine Automatisierung ist hier nicht kleiner geworden, sie ist an die richtigen Stellen gerückt.

Wenn die Ausnahme zur Regel wird

Der erste Sonderfall ist die Ausnahme, die gar keine ist. In der Aufnahme taucht ein Sonderfall auf, den alle als selten beschreiben. Die Zählung im Postfach ergibt dann, dass ein Drittel der Vorgänge davon betroffen ist. Das ändert die Planung grundlegend: Entweder gehört der Sonderfall in den Standardablauf, oder der Standardablauf ist weniger standardisiert als gedacht. Wir prüfen solche Aussagen deshalb mit einer Stichprobe aus den letzten Wochen, nicht nur mit Erinnerung.

Der zweite Fall ist Wissen, das nirgends steht. Eine langjährige Mitarbeiterin weiß, welcher Kunde grundsätzlich telefonisch bestätigt werden will, und welcher Lieferant bei Angaben zu Mengen gern abweicht. Diese Regeln sind nicht dokumentiert und lassen sich in Interviews nur finden, wenn man gezielt nach Überraschungen fragt: Was hat zuletzt nicht geklappt, und woran haben Sie es gemerkt? Solches Erfahrungswissen wird entweder in eine Regel übersetzt oder als Grund für eine menschliche Prüfung festgehalten.

Drittens die Skepsis im Team. Wer Abläufe aufnimmt, stellt Fragen zur Arbeit anderer, und das kann wie Kontrolle oder wie die Vorbereitung eines Stellenabbaus wirken. Wir benennen das Ziel offen: Es geht darum, Routine abzugeben und Zeit für Aufgaben mit Urteilsvermögen zu schaffen, nicht darum, Personen zu bewerten. Aussagen, die in Interviews fallen, bleiben im Ablaufbild anonym, und die Beteiligten sehen das Ergebnis, bevor es weitergegeben wird.

Viertens gibt es Abläufe mit rechtlichem oder vertraglichem Rahmen, etwa Aufbewahrungspflichten oder Pflichten zur Dokumentation. Solche Vorgaben kennen wir nur im Grundsatz und klären sie nicht abschließend. Sie gehören in die Aufnahme als Randbedingung, und bei Zweifeln sollte eine Steuerberatung oder Rechtsberatung entscheiden, was im Soll-Ablauf Bestand haben muss.

Abbildung · Ein Anfrageprozess vor und nach der Aufnahme

  • Jede Person beschreibt den Ablauf anders, niemand hat das Gesamtbild.
  • Angaben werden in E-Mail, Tabelle und Notizzettel mehrfach erfasst.
  • Ausnahmen werden spontan gelöst und nirgends festgehalten.
  • Bei Ausfall einer Person bleibt der Vorgang liegen.
Zustandsbeschreibung eines gedachten Betriebs, keine Messwerte.

Was sich erwarten lässt und woran man es erkennt

Der Nutzen einer Prozessaufnahme liegt zunächst in Entscheidungen, nicht in Automatisierungen. Sie wissen danach, welche Abläufe sich lohnen, welche zuerst geändert werden sollten und welche manuell bleiben. Das senkt das Risiko, Geld in Werkzeuge zu stecken, die den falschen Engpass beheben. Dieser Nutzen ist real, aber schwer in Euro zu fassen, und wir behaupten keinen Betrag.

Wo anschließend automatisiert wird, lässt sich die Wirkung an wenigen Größen ablesen. Die Durchlaufzeit zeigt, wie lange ein Vorgang vom Eingang bis zum Abschluss braucht. Die Zahl der Rückfragen und Korrekturen zeigt, ob Fehler seltener werden. Die manuelle Bearbeitungszeit je Vorgang, über einige Wochen mit einer einfachen Strichliste oder Zeitstempeln erhoben, zeigt die tatsächliche Entlastung. Wichtig ist, diese Werte vorher zu erfassen, sonst fehlt der Vergleich.

Zugleich gibt es Grenzen. Wie viel Zeit eingespart wird, hängt vom Betrieb ab und lässt sich vorab nur grob schätzen. Eine Automatisierung kann außerdem neue Arbeit erzeugen: Ausnahmen müssen bearbeitet, Protokolle gelesen und Regeln gepflegt werden. Ein ehrlicher Vergleich rechnet diese Pflege mit ein. Rechnen Sie nach Einführung mit einer Phase, in der Abläufe nachjustiert werden, und beurteilen Sie das Ergebnis nach einigen Wochen, nicht nach den ersten Tagen.

Nicht messbar, aber spürbar ist der Gewinn an Klarheit. Wenn Zuständigkeiten benannt, Medienbrüche reduziert und Ausnahmen bekannt sind, lässt sich der Betrieb auch ohne Technik besser steuern. Manche Teams berichten in solchen Projekten, dass die Aufnahme selbst bereits der größte Schritt war. Das lässt sich nicht garantieren, ist aber ein plausibler Nebeneffekt.

  • Durchlaufzeit vom Eingang bis zum Abschluss, vor und nach der Änderung über denselben Zeitraum verglichen.
  • Anzahl der Rückfragen und Korrekturen je Vorgang, aus Postfach oder Fehlerliste gezählt.
  • Manuelle Bearbeitungszeit je Vorgang, über mehrere Wochen erhoben und nicht nur geschätzt.
  • Aufwand für Pflege und Ausnahmebearbeitung nach der Einführung, als Gegenposten zur Entlastung.

Fünf Regeln, die sich aus der Aufnahme ableiten lassen

Erstens: Beginnen Sie mit einem Ablauf, nicht mit allen. Ein einzelner, gut abgegrenzter Prozess liefert in kurzer Zeit ein Ergebnis und zeigt, ob das Vorgehen zu Ihrem Betrieb passt. Zweitens: Messen Sie vor dem Eingriff. Ohne Ausgangswert bleibt jede Aussage über den Erfolg Meinung. Schon eine zweiwöchige Strichliste genügt, um Größenordnungen zu erkennen.

Drittens: Halten Sie fest, was bewusst manuell bleibt, und begründen Sie es. Dazu gehören Schritte mit Urteil oder Beziehung, etwa das Gespräch mit einem unzufriedenen Kunden oder die Preisentscheidung bei einem Sonderauftrag. Auch Schritte mit hohem Schaden bei Fehlern, etwa Zahlungsfreigaben, sollten eine menschliche Bestätigung behalten. Und Vorgänge, die so selten sind, dass sich Entwicklung und Pflege nie amortisieren, bleiben ebenfalls bei Menschen.

Viertens: Führen Sie Automatisierungen schrittweise ein. Ein Zwischenzustand, in dem das System einen Vorschlag macht und ein Mensch bestätigt, deckt Fehlannahmen auf, bevor sie Folgen haben. Erst wenn die Vorschläge über längere Zeit stimmen, lohnt es sich, die Bestätigung zu lockern. Fünftens: Benennen Sie für jeden automatisierten Ablauf eine verantwortliche Person, die den Zustand regelmäßig ansieht.

Diese Regeln sind unspektakulär, und genau das ist ihr Wert. Sie verschieben den Schwerpunkt von der Technik zur Entscheidung. Technik ist heute selten der knappe Faktor, Klarheit über den eigenen Ablauf schon.

Ob ein Schritt automatisiert werden kann, ist die technische Frage. Ob er es sollte, beantwortet nur die Aufnahme.

Abbildung · Ein möglicher Ablauf über mehrere Wochen

  1. 1

    Woche 1

    Ablauf auswählen, Beteiligte klären, Ausgangswerte erfassen.

  2. 2

    Woche 2

    Interviews und Beobachtung, erste Skizze des Ist-Ablaufs.

  3. 3

    Woche 3

    Abgleich mit dem Team, Ausnahmen zählen, Soll-Ablauf entwerfen.

  4. 4

    Woche 4

    Kandidaten bewerten, Entscheidung, was automatisiert wird.

  5. 5

    Ab Woche 5

    Umsetzung mit Bestätigungsstufe, danach Vergleich der Messwerte.

Beispielhafter Zeitplan für einen einzelnen Ablauf, der je nach Umfang und Verfügbarkeit der Beteiligten abweicht.

Fazit: Erst das Bild, dann das Werkzeug

Wer Prozesse analysieren und automatisieren will, sollte beides in dieser Reihenfolge tun. Die Analyse klärt, wie der Betrieb tatsächlich arbeitet, wo Informationen verloren gehen und was nur aus Gewohnheit existiert. Die Automatisierung setzt dort an, wo sie nachweislich entlastet. Dazwischen liegt die ehrliche Entscheidung, was bleiben darf, was geändert wird und was bewusst Handarbeit bleibt.

Der nächste Schritt ist klein und braucht kein Projekt. Wählen Sie einen Ablauf, der Sie regelmäßig Zeit kostet, und lassen Sie zwei Beteiligte ihn getrennt voneinander aufzeichnen, nur als Stichworte auf einem Blatt. Die Unterschiede zwischen den beiden Blättern sind der erste Befund. Sind sie groß, lohnt es sich, den Ablauf genauer aufzunehmen, bevor irgendein Werkzeug gewählt wird.

Für das Gespräch mit Dienstleistern gilt dieselbe Regel. Ein Angebot, das ohne Blick auf Ihren Ablauf eine feste Zeitersparnis verspricht, beruht auf Annahmen, die niemand geprüft hat. Fragen Sie nach, welche Schritte das Werkzeug übernimmt, was bei einer Ausnahme geschieht und wer den Betrieb überwacht. Wer darauf konkret antworten kann, hat sich mit Ihrem Ablauf beschäftigt.

Wir begleiten diese Aufnahme gern und sagen nach einem ersten Gespräch offen, ob sich eine Automatisierung rechnet oder ob eine Vereinfachung ausreicht. Auch das zweite Ergebnis ist ein gutes. Es spart Ihnen ein Projekt, das mehr gekostet hätte, als es einbringt.

Häufige Fragen

Warum sollte man Prozesse analysieren, bevor man automatisiert?

Weil eine Automatisierung den Ablauf wiedergibt, den man ihr vorgibt, auch seine Umwege, Doppelerfassungen und ungeklärten Ausnahmen. Die Analyse zeigt, was sich vereinfachen lässt, wo Informationen das Medium wechseln und wer verantwortlich ist. Manchmal erledigt sich der Bedarf schon durch die Vereinfachung, in anderen Fällen wird die Automatisierung dadurch erst sinnvoll planbar.

Wie nimmt man einen Prozess per Interview auf?

Am besten anhand eines konkreten, kürzlich bearbeiteten Vorgangs statt der Frage nach dem Normalablauf. Sie lassen sich jeden Schritt zeigen, fragen nach Auslöser, Medium, Häufigkeit, Ausnahmen und Zuständigkeit und ergänzen das Gespräch durch Beobachtung am Arbeitsplatz. Anschließend prüfen die Beteiligten das Ablaufbild und korrigieren es, bis alle sagen, so läuft es tatsächlich.

Welche Prozesse eignen sich für eine Automatisierung?

Geeignet sind Abläufe, die häufig vorkommen, klare Auslöser und Regeln haben, an Medienbrüchen Fehler produzieren und mit gut strukturierten Daten arbeiten. Weniger geeignet sind Schritte, die Urteilsvermögen, Einfühlung oder Verhandlung brauchen, sehr seltene Vorgänge und Abläufe mit hohem Schaden bei Fehlern. Die Bewertung nach Häufigkeit, Dauer, Fehleranfälligkeit und Regelhaftigkeit macht das nachvollziehbar.

Was sollte man bewusst nicht automatisieren?

Entscheidungen mit persönlicher Beziehung, Schritte mit hohem Schaden bei Fehlern wie Zahlungsfreigaben und Vorgänge, die zu selten auftreten, um Entwicklung und Pflege zu rechtfertigen. Auch Abläufe, die noch nicht verstanden oder ständig im Wandel sind, sollten zuerst geklärt werden. In vielen Fällen ist eine Zwischenlösung sinnvoll, bei der das System vorschlägt und ein Mensch bestätigt.

Wie lange dauert eine Prozessaufnahme?

Für einen einzelnen, gut abgegrenzten Ablauf rechnen wir mit etwa zwei bis vier Wochen, je nachdem wie schnell sich die Beteiligten für Gespräche freimachen können. Der reine Arbeitsaufwand ist deutlich kleiner als die Durchlaufzeit. Bei mehreren Abläufen oder vielen beteiligten Systemen dauert es länger. Eine verbindliche Aussage ist erst nach einem ersten Gespräch möglich.

Wie misst man, ob sich die Automatisierung gelohnt hat?

Erfassen Sie vor dem Eingriff Durchlaufzeit, manuelle Bearbeitungszeit und Zahl der Rückfragen, und vergleichen Sie diese Werte nach einigen Wochen über denselben Zeitraum. Rechnen Sie den Pflegeaufwand und die Bearbeitung von Ausnahmen als Gegenposten ein. Einen bestimmten Zeitgewinn lässt sich vorab nur grob schätzen und nicht zusagen.

Erst verstehen, was sich lohnt

Beschreiben Sie uns einen Ablauf, der Sie regelmäßig Zeit kostet. Wir geben Ihnen eine klare Einschätzung, ob eine Automatisierung, eine Vereinfachung oder beides sinnvoll ist.

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