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Keyword-Kannibalisierung beheben: Seiten einer Praxis klar einer Suchabsicht zuordnen

Ein Szenario darüber, wie eine Therapiepraxis ihre Inhalte nach Suchabsicht sortiert, statt mit mehreren Seiten um dieselbe Anfrage zu konkurrieren.

Dies ist eine Konzeptstudie, kein Bericht über ein Kundenprojekt. Beschriebene Abläufe und Beispielwerte sind gedanklich durchgespielte Annahmen, keine nachgewiesenen Ergebnisse.

Redaktion PageLeo · · 11 Min. Lesezeit

Ausgangslage
Eine fiktive Therapiepraxis hat über Jahre Seiten, Blogbeiträge und Leistungsbeschreibungen angesammelt. Mehrere davon behandeln im Kern dieselbe Frage.
Herausforderung
Google wechselt bei der Anfrage zwischen den eigenen Seiten, keine setzt sich dauerhaft durch. Die Praxis darf zudem nichts versprechen, was das Heilmittelwerbegesetz untersagt.
Ansatz
Wir ordnen jeder Suchabsicht genau eine Seite zu, legen Doppeltes zusammen, grenzen Ähnliches ab und stützen die Struktur mit internen Links und einem Redaktionsplan.
Nutzen
Erwartbar sind stabilere Rankings je Anfrage, klarere Nutzerwege und weniger Pflegeaufwand. Garantieren lässt sich keine Position, messen lässt sich die Entwicklung in der Search Console.

Fünf Seiten, eine Frage, kein klarer Sieger

Stellen wir uns eine Therapiepraxis vor, anonym und von durchschnittlicher Größe. Die Website ist über Jahre gewachsen. Zuerst gab es eine Leistungsseite, später kam ein Blogbeitrag dazu, dann eine Seite für ein neues Angebot, schließlich eine FAQ-Sammlung. Jede Ergänzung war für sich sinnvoll. Zusammengenommen beantworten aber fünf Seiten im Kern dieselbe Frage: Was passiert bei der Behandlung, und für wen kommt sie infrage?

Ein typisches Ausgangsbild sieht so aus. In der Google Search Console erscheint für eine wichtige Anfrage nicht eine URL, sondern mehrere, und sie wechseln sich ab. Heute führt die Leistungsseite, nächsten Monat der Blogbeitrag, danach die FAQ. Die Position schwankt, die Klickrate bleibt mittelmäßig, und niemand im Team kann sagen, welche Seite eigentlich zuständig ist.

Das Muster ist als Keyword-Kannibalisierung bekannt. Der Begriff ist etwas irreführend, denn es gibt keinen Strafmechanismus. Die Seiten teilen sich schlicht Signale wie Links, Verweise und Klickverhalten, und die Suchmaschine muss raten, welche sie anzeigt. Für eine Praxis, die ohnehin wenig Inhalte pflegt, ist das verschenkte Sichtbarkeit.

Besonders ärgerlich ist das bei Anfragen mit klarer Handlungsabsicht. Wer nach einem Erstgespräch sucht und auf einer Ratgeberseite landet, die keinen Weg zur Terminanfrage anbietet, springt ab. Wer informativ sucht und auf einer Terminseite ohne Erklärung landet, ebenso. Die falsche Seite am richtigen Platz kostet doppelt: einmal die Chance, und einmal das Vertrauen derer, die sich gerade orientieren.

Nicht die Menge der Seiten schadet, sondern dass mehrere dieselbe Aufgabe beanspruchen.

Warum Ähnlichkeit bei erklärungsbedürftigen Leistungen entsteht

Bei Praxisleistungen entsteht Überschneidung fast zwangsläufig. Patientinnen und Patienten suchen selten nach dem Fachbegriff. Sie formulieren Beschwerden, Fragen und Vorbehalte, und jede Formulierung scheint eine eigene Seite zu rechtfertigen. Die Praxis antwortet mit mehr Inhalt, und der überschneidet sich zwangsläufig mit dem vorhandenen.

Hinzu kommt eine rechtliche Besonderheit. Das Heilmittelwerbegesetz setzt der Werbung für Heilmittel und Behandlungen enge Grenzen. Heilversprechen, Erfolgsgarantien und suggestive Vorher-nachher-Darstellungen sind tabu. Das führt in der Praxis zu vorsichtigen, oft austauschbaren Formulierungen, und austauschbare Texte sind das Rohmaterial für Kannibalisierung. Wer nur beschreibt, was angeboten wird, schreibt am Ende mehrfach dasselbe.

Dazu kommt die Frage der Zuständigkeit. Wer auf der Website Texte ändert, ist oft nicht dieselbe Person, die vor Jahren die Struktur festlegte. Ohne dokumentierte Zuordnung von Seite zu Suchabsicht legt jeder neue Beitrag unbemerkt ein weiteres Konkurrenzangebot an. Das Problem ist selten eine einzelne Fehlentscheidung, sondern das Fehlen einer gemeinsamen Karte.

Ein weiterer Grund liegt im Umgang mit Fachsprache. Fachleute schreiben für Fachleute, Suchende formulieren in Alltagssprache. Dieselbe Behandlung erscheint dann einmal mit ihrem Fachbegriff, einmal als Beschwerdebeschreibung, einmal als Frage nach Kosten. Ohne Absprache entstehen drei Seiten, die für das Mapping eigentlich eine einzige Zeile mit drei Nebenfragen wären.

  • Mehrere Seiten tragen denselben Hauptbegriff im Titel und in der ersten Überschrift.
  • Ein Blogbeitrag und eine Leistungsseite beantworten dieselbe Frage mit anderen Worten.
  • Regionale Varianten einer Seite unterscheiden sich nur durch den Ortsnamen.
  • Interne Links verweisen mit demselben Ankertext auf unterschiedliche Ziele.

Erst Diagnose, dann Eingriff: Was die Daten zeigen können

Bevor irgendetwas zusammengelegt wird, braucht es eine Diagnose. Der einfachste Weg führt über den Leistungsbericht der Google Search Console. Filtert man auf eine Anfrage und wechselt zur Seitenansicht, sieht man, welche URLs für diese Anfrage Impressionen erhalten. Erscheinen dort mehrere Seiten mit nennenswerten Anteilen, ist der Verdacht begründet. Ein Zeitverlauf je URL zeigt zusätzlich, ob sie sich abwechseln.

Wichtig ist, nicht jede Mehrfachnennung als Fehler zu lesen. Eine Seite kann für eine Anfrage sichtbar sein, ohne um sie zu konkurrieren, etwa wenn sie nur am Rand auftaucht. Entscheidend ist die Suchabsicht. Fragt jemand informativ, wie eine Behandlung abläuft, und eine Terminseite erscheint daneben, passt sie schlicht nicht zur Absicht. Das ist ein anderes Problem als zwei Seiten, die dieselbe Absicht bedienen.

Für die Einordnung hilft ein Blick in die Ergebnisseite selbst. Welche Seitentypen listet Google für die Anfrage? Überwiegen Ratgeber, Verzeichnisse, Leistungsseiten oder lokale Einträge? Diese Zusammensetzung verrät, welche Art von Seite die Suchmaschine für diese Absicht erwartet. Daran bemisst sich, welche der konkurrierenden Seiten die richtige Rolle übernehmen sollte.

Zuletzt lohnt der Blick auf die Seiten selbst. Trägt eine von ihnen deutlich mehr eingehende Links, hat sie über Jahre Verweise gesammelt, oder ist sie schlicht gründlicher geschrieben? Solche Unterschiede sind selten Zufall und liefern oft den besten Hinweis darauf, welche Seite als Grundlage taugt. Die jüngere Seite ist nicht automatisch die bessere, und die ältere nicht automatisch die schützenswerte.

Abbildung · Woran sich Kannibalisierung festmachen lässt

  • Wechselnde URLs je Anfragerelative Priorität
  • Gleiche Suchabsicht der Seitenrelative Priorität
  • Verteilte interne Linksrelative Priorität
  • Ähnliche Titel und H1relative Priorität
  • Schwankende Klickraterelative Priorität
Illustrative Darstellung, keine Messwerte. Die Balken zeigen, wie stark ein Signal in der Diagnose gewichtet wird.

Eine Absicht, eine Seite: Wie die Entscheidung fällt

Aus der Diagnose folgt ein Grundsatz: Jede Suchabsicht bekommt genau eine zuständige Seite. Das ist keine Vorgabe der Suchmaschine, sondern eine Arbeitsregel, die Entscheidungen vereinfacht. Wir unterscheiden vier Absichten. Informativ heißt, jemand will etwas verstehen. Transaktional heißt, jemand will einen Termin vereinbaren. Navigational heißt, jemand sucht die Praxis oder einen bestimmten Bereich. Lokal heißt, jemand sucht eine Praxis in Reichweite.

Für jede doppelt belegte Absicht gibt es drei Wege. Zusammenlegen, wenn beide Seiten dieselbe Aufgabe haben und eine die stärkere Grundlage bietet. Weiterleiten, wenn eine Seite nach dem Zusammenlegen keinen eigenen Zweck mehr hat. Abgrenzen, wenn beide Seiten berechtigt sind, aber unterschiedliche Absichten bedienen sollten, und nur die Texte zu ähnlich geraten sind.

Die Alternative wäre, einfach alles beizubehalten und mit canonical-Angaben zu steuern. Das funktioniert nur bei fast identischen Inhalten und sagt der Suchmaschine bloß, welche Variante bevorzugt wird. Es löst nicht das inhaltliche Problem, dass zwei Seiten dasselbe wollen. Ebenso wäre es falsch, überall die Inhalte zu löschen. Verlorene Seiten sind verlorene Einstiegspunkte, und manche tragen Links, die man behalten will.

Ein Beispiel macht die Abwägung greifbar. Eine Praxis hat einen Blogbeitrag zum Ablauf einer Behandlung und eine Leistungsseite, die denselben Ablauf in Kurzform wiederholt. Beide wollen informieren. Die Entscheidung fällt, indem man der Leistungsseite die Rolle des Überblicks lässt und den Ablauf ausschließlich im Beitrag behandelt, auf den sie verlinkt. Beide Seiten bleiben bestehen, aber jede hat nun eine eigene Aufgabe.

Zusammenlegen, weiterleiten oder abgrenzen: Welcher Weg passt, entscheidet die Aufgabe der Seite, nicht ihr Alter.

Abbildung · Entscheidungsweg für zwei konkurrierende Seiten

  1. Absicht bestimmen

    Informativ, transaktional, navigational oder lokal?

  2. Gleiche Absicht?

    Dann konkurrieren beide um dieselbe Aufgabe.

  3. Stärkere Seite wählen

    Inhalt, Links und Struktur vergleichen.

  4. Zusammenlegen oder abgrenzen

    Zweck ersetzt, dann 301. Zweck bleibt, dann schärfen.

Vereinfachter Ablauf. Im Einzelfall kommen Linkprofil und Nutzerverhalten hinzu.

Das Seiten-Mapping als gemeinsame Karte

Das zentrale Werkzeug ist ein Mapping, im Kern eine Tabelle. Jede Zeile steht für eine Suchabsicht, nicht für eine Seite. Daneben stehen die zuständige URL, die Art der Absicht, die Zielgruppe, der nächste sinnvolle Schritt für die Leserin oder den Leser und der verantwortliche Bearbeiter. Das klingt nüchtern, ist aber der Teil, der die Struktur dauerhaft stabil hält.

Darauf baut die Hub-and-Spoke-Architektur auf. Eine Hub-Seite behandelt ein Leistungsfeld umfassend und verweist auf vertiefende Seiten, die Spokes. Die Hub-Seite bedient die breite Anfrage, die Spokes die spezifischen Fragen, etwa zu Ablauf, Dauer, Kostenübernahme oder Vorbereitung. Entscheidend ist die Arbeitsteilung. Der Hub erklärt und führt weiter, die Spokes vertiefen genau ein Thema.

Bei Praxisleistungen muss die Sprache dabei sachlich bleiben. Eine Seite darf beschreiben, wie eine Behandlung abläuft, welche Beschwerden Anlass sein können und wie ein Erstgespräch aussieht. Sie darf nicht versprechen, dass Beschwerden verschwinden. Wer das im Mapping von Anfang an festhält, etwa über eine Prüfspalte für Formulierungen, vermeidet spätere Korrekturen. Eine rechtliche Prüfung ersetzt das nicht. Sie gehört zur Praxis oder deren Berater.

  • Hub: Ein Leistungsfeld, umfassend erklärt, mit Wegweisern zu jeder Vertiefung.
  • Spoke: Eine konkrete Frage, vollständig beantwortet, mit Rücklink zum Hub.
  • Terminseite: Transaktionale Absicht, wenig Erklärung, klarer Weg zur Buchung.
  • Standortseite: Lokale Absicht, mit Anfahrt, Zeiten und Kontaktwegen.

Abbildung · Hub-and-Spoke für ein Leistungsfeld

  • Terminseite

    Transaktional. Eine Handlung, keine Erklärung.

  • Hub-Seite

    Leistungsfeld im Überblick, Weichenstellung für Vertiefungen.

  • Spoke-Seiten

    Je eine Frage: Ablauf, Dauer, Kosten, Vorbereitung.

  • Standort und Profil

    Lokale Absicht: Praxis, Anfahrt, Öffnungszeiten.

Schematische Struktur, die Zahl der Spokes hängt vom tatsächlichen Informationsbedarf ab.

Umsetzung in Schritten: Zusammenlegen, weiterleiten, verlinken

Technisch beginnt die Arbeit mit einem Export aller URLs samt Titel, H1 und Indexierungsstatus, zum Beispiel mit Screaming Frog. Dazu kommen Daten aus der Search Console. Beides zusammen ergibt die Grundlage für das Mapping. Wichtig ist, vor jeder Änderung den Ausgangszustand zu sichern, damit sich Wirkung später überhaupt beurteilen lässt.

Beim Zusammenlegen wird der Inhalt der schwächeren Seite in die stärkere übernommen, soweit er etwas Neues beiträgt. Die schwächere URL erhält eine serverseitige 301-Weiterleitung auf die Zielseite, und zwar direkt, nicht über Zwischenstationen. Sitemap und interne Links werden angepasst, damit nirgends mehr auf die alte Adresse gezeigt wird. Das spart Crawl-Aufwand und verhindert Ketten.

Interne Links sind das Steuerungsinstrument, das am häufigsten unterschätzt wird. Jede Seite sollte von den passenden Nachbarn verlinkt werden, mit Ankertexten, die das Ziel beschreiben. „Mehr dazu“ oder „hier klicken“ sagen weder Leserinnen noch Suchmaschinen etwas. Ein Link mit dem Text „Ablauf der Erstuntersuchung“ tut das. Und wenn mehrere Links auf verschiedene Seiten denselben Ankertext tragen, entsteht genau die Unklarheit, die man beseitigen wollte.

Nach dem Umbau folgt die Kontrolle. In der Search Console lässt sich prüfen, ob die Zielseiten indexiert sind und die alten URLs korrekt weiterleiten. Ein erneuter Crawl deckt Weiterleitungsketten, vergessene interne Links und Seiten ohne eingehende Verweise auf. Diese Nacharbeit dauert meist länger als der eigentliche Umbau, entscheidet aber darüber, ob die Neuordnung im Index wirklich ankommt.

Abbildung · Umsetzung in vier Phasen

  1. 1

    Bestand sichern

    URLs, Titel, Indexierung und Search-Console-Daten exportieren.

  2. 2

    Mapping festlegen

    Absicht je Seite zuordnen, Entscheidungen dokumentieren.

  3. 3

    Umbau

    Zusammenlegen, abgrenzen, 301 setzen, Sitemap anpassen.

  4. 4

    Links und Kontrolle

    Ankertexte vereinheitlichen, Indexierung prüfen.

Beispielhafte Reihenfolge, Dauer und Aufwand hängen vom Umfang der Website ab.

Sonderfälle, an denen Faustregeln scheitern

Nicht jede Überschneidung lässt sich sauber lösen. Ein häufiger Sonderfall sind regionale Varianten. Hat die Praxis mehrere Standorte, sind Seiten mit nur ausgetauschtem Ortsnamen nahezu identisch. Hier hilft kein Zusammenlegen, denn die lokale Absicht ist berechtigt. Jede Standortseite braucht eigene, belastbare Inhalte, etwa Team, Anfahrt, Besonderheiten der Räume, und sollte nur dort bleiben, wo sie echten Mehrwert bietet.

Ein zweiter Fall sind Seiten, die bewusst unterschiedliche Zielgruppen bedienen, aber dieselbe Leistung beschreiben, etwa für Erwachsene und für Eltern von Kindern. Das sind getrennte Absichten, die sich in der Sprache unterscheiden sollten. Dann reicht oft eine Schärfung von Titel, Einstieg und Beispielen. Eine Zusammenlegung würde beide Gruppen schlechter bedienen.

Der dritte Fall betrifft Seiten, die Links oder Verweise von außen haben, etwa aus Verzeichnissen. Sie sollten nie ersatzlos entfernt werden. Eine Weiterleitung auf die passende Seite überträgt Signale weitgehend, ob vollständig, lässt sich nicht garantieren. Schließlich gilt für medizinische Aussagen: Nach jeder Zusammenlegung ist zu prüfen, ob die neue Fassung nirgends schärfer formuliert ist als die ursprünglichen Seiten. Beim Zusammenfügen schleichen sich leicht Formulierungen ein, die ein Versprechen nahelegen.

Ein vierter Fall sind Seiten, die gar nicht ranken sollen, etwa Datenschutz, Impressum oder interne Formulare. Sie tauchen im Mapping auf, damit klar ist, dass sie keine Absicht bedienen und nicht um Anfragen konkurrieren. Wo sie doch in Ergebnissen erscheinen, ist das eher ein Hinweis auf zu schwache Inhaltsseiten als auf ein Problem dieser Seiten selbst.

Eine Weiterleitung rettet Verweise, sie ersetzt aber keine Entscheidung darüber, welche Seite wofür zuständig ist.

Was sich realistisch erwarten lässt und woran man es misst

Zu erwarten ist keine plötzliche Verbesserung, sondern eine Beruhigung. Wenn je Anfrage nur noch eine Seite zuständig ist, sollten die wechselnden Positionen seltener werden, und die Seite, die erscheint, sollte besser zur Absicht passen. Ob die Position dadurch steigt, hängt von Wettbewerb, Qualität und Autorität ab und lässt sich nicht zusagen. Das ist klar zu benennen, auch wenn es weniger verkaufsstark klingt.

Gemessen wird in der Search Console. Für die betroffenen Anfragen vergleicht man Impressionen, Klicks, durchschnittliche Position und die Zahl der erscheinenden URLs, jeweils vor und nach dem Umbau. Ein sinnvoller Beobachtungszeitraum umfasst mehrere Wochen, weil Google Änderungen erst nach erneutem Crawlen und Bewerten verarbeitet. Saisonale Schwankungen sollten durch den Vergleich mit demselben Zeitraum des Vorjahres abgefedert werden.

Ergänzend zählen weiche Signale. Weniger Rückfragen am Empfang, weil die Seite die häufigste Frage beantwortet, oder ein klarerer Weg von der Information zur Terminanfrage sind plausible Effekte, die sich über Formularzugriffe und Anrufe beobachten lassen. Eine Prognose in Zahlen wäre unseriös. Belastbar ist nur der Vergleich vor und nach der Umstellung mit den eigenen Daten.

Abbildung · Zustand vor und nach der Neuordnung

  • Mehrere Seiten erscheinen im Wechsel für dieselbe Anfrage.
  • Titel und H1 ähneln sich, Aufgaben überlappen.
  • Interne Links mit gleichem Ankertext zeigen auf verschiedene Ziele.
  • Niemand weiß, welche Seite für welche Frage zuständig ist.
Beschreibung typischer Zustände, keine Messwerte.

Redaktionsplan als Schutz vor dem Rückfall

Die beste Neuordnung hält nicht, wenn danach wieder frei Inhalte hinzukommen. Deshalb gehört ein einfacher Redaktionsplan zum Ergebnis. Er enthält keine Menge an Beiträgen, sondern eine Regel: Vor jedem neuen Text wird im Mapping geprüft, ob die Absicht bereits belegt ist. Wenn ja, wird die bestehende Seite erweitert, nicht eine neue angelegt.

Ein zweites Prinzip betrifft die Pflege. Jede Seite im Mapping erhält ein Überprüfungsdatum, bei Praxisseiten etwa halbjährlich. Geprüft wird, ob die Aussagen noch stimmen, ob Preise, Zeiten und Abläufe aktuell sind und ob die Formulierungen den rechtlichen Rahmen einhalten. Das kostet wenig Zeit und bewahrt Seiten davor, schleichend veraltet und widersprüchlich zu werden.

Eine Erkenntnis, die sich aus vergleichbaren Aufgaben verallgemeinern lässt: Kannibalisierung ist selten ein SEO-Problem allein. Sie ist meist ein Zuständigkeitsproblem, das sich in der Suchmaschine zeigt. Wer die Struktur dokumentiert und einer Person zuordnet, löst nicht nur das jetzige Problem, sondern verhindert das nächste. Das Mapping ist unscheinbar, wirkt aber über Jahre.

  • Vor jedem neuen Beitrag prüfen, ob die Suchabsicht bereits belegt ist.
  • Bestehende Seiten erweitern, bevor eine neue entsteht.
  • Halbjährlich Fakten, Formulierungen und interne Links überprüfen.
  • Änderungen am Mapping mit Datum und Begründung festhalten.

Aufräumen vor Ausbauen: der nächste Schritt

Für eine Praxis, die merkt, dass mehrere eigene Seiten schlecht ranken, ist die Reihenfolge entscheidend: erst ordnen, dann ausbauen. Mehr Inhalt auf eine unklare Struktur zu legen verstärkt das Problem. Ein klares Mapping dagegen macht sichtbar, wo wirklich Lücken bestehen und wo nur Doppelungen vorliegen.

Der praktische Einstieg ist überschaubar. Exportieren Sie aus der Search Console die Anfragen, die für Ihre Praxis wichtig sind, und prüfen Sie je Anfrage, welche Seiten erscheinen. Wo mehrere auftauchen, ordnen Sie die Absicht zu und entscheiden zwischen Zusammenlegen, Weiterleiten und Abgrenzen. Schon eine Handvoll solcher Entscheidungen schafft eine tragfähige Grundstruktur.

Dieses Szenario beschreibt ein Vorgehen, kein belegtes Projektergebnis. Es zeigt, wie sich die Aufgabe strukturieren lässt und welche Fragen dabei zu beantworten sind. Ob und wie stark sich Ihre Sichtbarkeit verändert, hängt von Ihrem Umfeld ab und ist vorab nicht zu beziffern. Sicher ist nur, dass eine klare Zuständigkeit je Frage Ihre Website verständlicher macht, für Suchmaschinen wie für Menschen.

Wer diese Arbeit nicht allein erledigen möchte, kann sie in Teilen auslagern: die Diagnose aus den Daten, das Mapping als gemeinsames Dokument, die technische Umsetzung der Weiterleitungen. Die inhaltlichen Entscheidungen und die Prüfung medizinischer Aussagen sollten jedoch bei der Praxis bleiben, denn dort liegt das Fachwissen und die Verantwortung.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich Keyword-Kannibalisierung auf meiner Website?

Am deutlichsten in der Google Search Console. Filtern Sie im Leistungsbericht auf eine Anfrage und wechseln Sie zur Seitenansicht. Erscheinen mehrere Ihrer URLs mit relevanten Impressionen, und wechseln sie sich im Zeitverlauf ab, liegt der Verdacht nahe. Entscheidend ist, ob die Seiten dieselbe Suchabsicht bedienen. Eine Seite, die am Rand mitläuft, ist noch keine Konkurrenz.

Ist Keyword-Kannibalisierung immer schädlich?

Nein. Manchmal erscheinen zwei Seiten für dieselbe Anfrage und decken unterschiedliche Absichten ab, etwa eine Ratgeberseite und eine Terminseite. Problematisch wird es, wenn beide dieselbe Aufgabe haben und sich gegenseitig Signale wegnehmen. Dann ist die Position instabil, und die angezeigte Seite passt oft nicht optimal zur Frage.

Wann lege ich Seiten zusammen, wann leite ich nur weiter?

Zusammenlegen lohnt sich, wenn beide Seiten dieselbe Aufgabe haben und die schwächere noch etwas Neues beiträgt. Dann übernehmen Sie das Wertvolle in die stärkere Seite und leiten die alte URL per 301 um. Reine Weiterleitung ohne Inhaltsübernahme ist sinnvoll, wenn die alte Seite nichts Eigenes mehr bietet. Sind beide berechtigt, aber zu ähnlich, grenzen Sie sie stattdessen inhaltlich ab.

Was darf eine Praxis-Website nach dem Heilmittelwerbegesetz nicht versprechen?

Das Gesetz untersagt im Kern irreführende Werbung, zum Beispiel Heilversprechen, Erfolgsgarantien oder die Behauptung, eine Behandlung habe sicher bestimmte Wirkungen. Sachliche Information über Ablauf, Anlass und Rahmen ist üblich. Die konkrete Zulässigkeit hängt vom Einzelfall und der Berufsgruppe ab. Lassen Sie Formulierungen im Zweifel rechtlich prüfen, wir bieten dazu keine Rechtsberatung an.

Wie lange dauert es, bis sich eine Neuordnung auswirkt?

Das lässt sich nicht verbindlich sagen. Google muss geänderte Seiten erneut crawlen und bewerten, was oft mehrere Wochen dauert. Vergleichen Sie Impressionen, Klicks und Positionen vor und nach dem Umbau über einen ausreichend langen Zeitraum und möglichst mit dem Vorjahreszeitraum. Eine bestimmte Verbesserung kann niemand seriös zusagen.

Reicht eine canonical-Angabe, um Kannibalisierung zu beheben?

Nur bei nahezu identischen Inhalten. Ein canonical-Hinweis teilt der Suchmaschine mit, welche Variante bevorzugt wird, ist aber ein Hinweis und keine Anweisung. Er löst nicht das Grundproblem, dass zwei inhaltlich verschiedene Seiten dieselbe Aufgabe beanspruchen. Dafür braucht es eine Entscheidung über Zusammenlegen, Weiterleiten oder Abgrenzen.

Wissen Sie, welche Ihrer Seiten wofür zuständig ist?

Wir sehen uns gemeinsam an, welche Seiten Ihrer Website um dieselben Anfragen konkurrieren, und zeigen, wie ein Mapping daraus eine klare Struktur macht. Unverbindlich und ohne Ranking-Versprechen.

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